Mittagspause bedeutete vor 100 Jahren für die Mitarbeiter des Bosch-Werkes in Feuerbach so manche Mühsal: Während einige zum Essen nach Hause gehen konnten, mussten die weiter entfernt Wohnenden viel Geld in Wirtshäusern ausgeben oder sich mit Mitgebrachtem behelfen.

Erst als Bosch die zweistündige Mittagspause auf eine halbe Stunde reduzierte wurde eine richtige Kantine auf dem Werkgelände eingerichtet. Am 27. Januar 1919 konnte das neue „Speisehaus“ mit drei Speisesälen für je 600 Personen seiner Bestimmung übergeben werden.

Ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkrieges waren die Lebensmittel indes noch knapp. Während die meisten Zutaten bei umliegenden Bauern günstig eingekauft wurden, baute Bosch zeitweise die Suppenkräuter in einer eigenen Gärtnerei selbst an. Somit konnten jeden Tag 1100 Gerichte wie Eintopf zu vergünstigten Preisen ausgegeben werden. Heute vielleicht kurios und zugleich modern im Sinne der Nachhaltigkeit anmutend war die vorübergehende Schweinehaltung im Hinterhof, die extra für die Verwertung der Speiseabfälle unterhalten wurde.

Nahrungsaufnahme und Begegnungsstätte in einem: Die Bosch-Kantine im Werk Feuerbach 1950

Nahrungsaufnahme und Begegnungsstätte in einem: Die Bosch-Kantine im Werk Feuerbach 1950

 

Die erste Kantine am heute ältesten Standort Feuerbach bestand bis zu ihrem Abriss im Jahr 1985. Heute ernährt dort ein hochmodernes „Betriebsrestaurants“ die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bosch.

 

Eine Antwort

  1. Arnd-Matthias Langner

    Danke für diesen interessanten Bericht. Spannend im Sinne lebendige Geschichte wäre vielleicht, wie sah denn passend zum Bild (Kantine Feuerbach 1950) um 1950 ein typischer Speiseplan aus?

    Anscheinend stand da die große Eintopfschüssel auf dem Tisch vorn im Bild.

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