Die Anfänge des Antiblockiersystems von Bosch

Eine „Vorrichtung zum Verhüten des Festbremsens der Räder von Fahrzeugen“ meldete Bosch bereits 1936 zum Patent an. Die Erfahrung, dass die Räder bei zu starkem Bremsen blockieren und das Fahrzeug damit nicht mehr lenkbar ist, machte fast jeder Autofahrer. Auch waren die physikalischen Zusammenhänge, dass ein beim Bremsen noch rollendes Rad im Gegensatz zum blockierten Rad einen deutlich kürzeren Bremsweg hat und zudem die Stabilität und Lenkfähigkeit des Fahrzeugs erhält, seit längerem bekannt. Trotz erheblicher Anstrengungen gelang der Durchbruch jedoch nicht: die Blockierverhinderer scheiterten an der Trägheit ihrer mechanischen Steuerung und konnten nicht schnell genug auf die sich in Sekundenbruchteilen ändernden Bedingungen während des Bremsens reagieren.
Mit der Verfügbarkeit der Halbleitertechnik seit Anfang der 1960er Jahre waren dann die Voraussetzungen gegeben; die Elektronik ermöglichte das angemessen schnelle Senken oder Erhöhen des Bremsdrucks. So begann Bosch im Jahr 1969 mit eigenen Vorentwicklungen zu einem Antiblockiersystem.

Geschwindigkeitsfühler einer Blockierschutzanlage für Personenkraftwagen, 1969

Geschwindigkeitsfühler einer Blockierschutzanlage für Personenkraftwagen, 1969

Komponenten (Hydroaggregat und Steuergerät) des ABS 2, 1978

Komponenten (Hydroaggregat und Steuergerät) des ABS 2, 1978

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Heidelberger Teldix GmbH schon fünf Jahre an einem Blockierschutz für Kraftfahrzeuge geforscht und ein vielversprechendes elektronisch gesteuertes Antiblockiersystem entwickelt, das alle vier Räder unabhängig voneinander regelte. Dieses System stieß bei der Automobilindustrie auf großes Interesse, und die Vorbereitungen für den Serieneinsatz liefen an. Es zeigte sich aber, dass die damals verfügbare analoge Elektronik den Sicherheitsanforderungen an ein Bremssystem nicht genügte. Umfangreiche Wintererprobungen bewiesen die Funktionsfähigkeit des Systems „ABS 1“, die Elektronik dagegen war nicht ausreichend haltbar. Bosch beteiligte sich 1973 zu 50 Prozent an Teldix und brachte insbesondere seine Erfahrung bei der Entwicklung und Produktion von elektronischen Bauelementen ein, die robust genug für den Einsatz in Fahrzeugen waren. 1975 übernahm Bosch die Gesamtverantwortung für die ABS-Entwicklung und kaufte später alle Anteile an der Teldix. 1978 stellten Bosch und Mercedes-Benz das „ABS 2“ vor.

Erprobungsphase des ABS 2, 1976: Ermittlung des Bremswegs auf vereister Straße mit dem Peiseler-Rad

Erprobungsphase des ABS 2, 1976: Ermittlung des Bremswegs auf vereister Straße mit dem Peiseler-Rad

Das Antiblockiersystem verhinderte zuverlässig das Blockieren der Räder bei zu starkem Bremsen und erhielt die Lenkbarkeit. Ein unkontrolliertes Schleudern des Fahrzeugs nach einer Vollbremsung konnte damit in vielen Fällen vermieden werden, und der Zugewinn an Sicherheit war von Beginn an unumstritten. Das ABS 2 und seine Nachfolgegenerationen setzen sich Schritt für Schritt in allen Fahrzeugsegmenten durch und sorgen seit inzwischen vier Jahrzehnten für sicheres Bremsen.

Wirkungsweise des ABS bei einer Panikbremsung auf glatter Fahrbahn: Links ohne ABS (PKW bricht in der Kurve aus), rechts mit ABS

Wirkungsweise des ABS bei einer Panikbremsung auf glatter Fahrbahn: Links ohne ABS (PKW bricht in der Kurve aus), rechts mit ABS

 

Die Entwicklung des Antiblockiersystems markiert den Beginn digitaler Assistenzsysteme im Fahrzeug. Bremsregelsysteme wie ABS und ESP® gelten als Wegbereiter der automobilen Zukunft und sind für die Vision des automatisierten Fahrens, etwa in Form des vorausschauenden Notbremssystems, unabdingbar. Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.bosch-mobility-solutions.de/de/produkte-und-services/pkw-und-leichte-nutzfahrzeuge/fahrerassistenzsysteme/vorausschauendes-notbremssystem/

 

 

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