Erste Bosch-Vertretung in London, 1898

Erste Bosch-Vertretung in London, 1898

Der erste Schritt des jungen Unternehmers Robert Bosch auf internationalem Parkett führte im April 1898 nach Großbritannien. Die geographische Auswahl vor 120 Jahren war kein Zufall sondern die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches.

Schon 13 Jahre zuvor hatte Robert Bosch, als er für ein halbes Jahr bei Siemens Brothers in der britischen Hauptstadt arbeitete, seiner Verlobten Anna in einem Brief eröffnet: „Wie ich schon in meiner Karte schrieb, gefällt mir London sehr gut, es hat sehr hübsche Parks mit wunderschönen frühlingsgrünen Kastanienbäumen (…) und wenn ich auch gestern Abend einem Engländer nicht zustimmen konnte, als er behauptete, England sei das beste Land der Welt, so glaube ich doch, dass ich es ganz gerne haben könnte.“ Für einen zurückhaltenden Schwaben grenzte diese Aussage schon an eine wahre Liebeserklärung an England.

Robert Bosch, 1884

Robert Bosch, 1884

Dass das Mutterland der Industrialisierung auch in wirtschaftlicher Hinsicht einiges zu bieten hatte, war Robert Bosch schnell klar. Schon in den Anfängen seiner Unternehmerkarriere hatte er sich gefragt, wie er seine Magnetzündung auch in England verkaufen konnte. Der direkte Kontakt zu englischen Maschinenfabriken, kam leider nicht zustande. Erst der Kontakt zu Frederick R. Simms, einem englischen Ingenieur, öffnete Bosch den Weg auf die Insel. Im April 1898 übernahm Simms die Vertretung für Bosch-Produkte in Großbritannien. Schon im ersten Jahr war der Absatz so erfolgversprechend, dass Simms und Bosch 1899 in London die „Compagnie des Magnétos Simms-Bosch“ gründeten, die – wie der Name schon vermuten lässt – nicht nur den englischen, sondern auch den französischen Markt bedienen sollte. Simms brachte das Kapital ein, Bosch die Patente.

Postkarte aus London von Robert Bosch an seine Tochter Paula, 1904

Postkarte aus London von Robert Bosch an seine Tochter Paula, 1904

Robert Bosch war in den folgenden Jahren wieder häufig in London, in der Stadt, die ihm so gut gefiel – die Vorstellungen seines Partners Simms über den Verkauf von Magnetzündern gefielen ihm jedoch weitaus weniger. Simms widmete sich mit Leidenschaft dem Automobilbau und gilt in Großbritannien heute nicht umsonst als Pionier, Verwaltung und Verkauf waren für jedoch eher zweitrangig. Die unterschiedlichen Auffassungen, wie das Geschäft geführt werden sollte, führten 1907 zur Trennung der Partner und Bosch übernahm die Gesellschaft allein. Die Bosch Magneto Company startete durch und 1913 waren rund 90 Prozent aller Autos in Großbritannien mit Bosch Magnetzündung ausgerüstet.

Mitarbeiter der Bosch Magneto Company gratulieren Robert Bosch zum 25-jährigen Bestehen seiner Firma, 1911.

Mitarbeiter der Bosch Magneto Company gratulieren Robert Bosch zum 25-jährigen Bestehen seiner Firma, 1911.

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