Otto-Karl ist ein ganz besonderer Ausdruck seiner Zeit. Rund 140 cm groß und mit riesiger Zündkerze stand er auf der gut fußballgroßen Erde – ein fast lebensgroßer Markenbotschafter der 1950er Jahre aus Pappmaché, der im Eingang vieler Bosch-Dienste die Kunden willkommen hieß, in Stuttgart wie in Windhoek, San Francisco, Wellington oder Bangkok.

 “Otto-Karl” in einem Bosch-Dienst in Douala, Kamerun, 1960

“Otto-Karl” in einem Bosch-Dienst in Douala, Kamerun, 1960

So weit so, gut, aber er hatte noch zwei „Brüder“ – und damit wird es kompliziert: Karl-Otto stand auf festem Boden und hielt Prospekte für Kunden bereit, und ihn gab es auch als 30 cm hohe Schrumpfvariante: Er ließ sich auch in eine Glasvitrine stellen oder aber auf den Ladentresen. Und dann gab es noch den kleinen Otto. In Bosch-Werbefilmen der 1950er Jahre stand er als Zeichentrickfigur pannengeplagten Autofahrern zur Seite.

Die Handlung der Filme war immer ähnlich: Am Straßenrand liegengebliebene Autofahrer verzweifelten schier,  bis das Männchen mit Bosch-Dienst-Montur wie aus dem Nichts auf die Motorhabe hüpfte und auf ihr sitzend, mit lässig herunterbaumelden Beinen sein Liedchen trällerte: „In deinem Falle, würd` ich zum Bosch-Dienst gehen. Der Bosch-Dienst hilft mit Rat und Tat…“ usw.

Die Namensvarianten haben einen naheliegenden realen Hintergrund. Schließlich hieß der Bosch Werbechef Otto Debatin und sein damals kleiner Sohn Karl-Otto. Beide Namen, damals in Deutschland sehr beliebt und bodenständig, waren den Kinozuschauern sehr vertraut und standen für Verlässlichkeit. In nahezu jeder deutschen, schweizerischen oder österreichischen Familie gab es im größeren Verwandtenkreis einen Jungen oder Mann, der Karl oder Otto oder beides hieß.

Die kleine Werbeträgerfamilie aus Otto-Karl, kleinem Otto und Karl-Otto war eine der ersten crossmedialen Ansätze im Marketing von Bosch, wenn man es in heutiger Terminologie betrachtet. Das macht sie historisch besonders interessant: Dieselbe Grundidee wird sowohl als 3-D-Objekt im direkten Kundenkontakt eingesetzt als auch Kinobesuchern als Garant für Lösungen bei störrischen Automobilen vorgestellt.

Zwei Variationen des Bosch “Karl-Otto”. Figurinen, etwa 30 cm hoch, 1955

Zwei Variationen des Bosch “Karl-Otto”. Figurinen, etwa 30 cm hoch, 1955

Von Otto-Karl, dem Mann auf der Weltkugel, gibt es übrigens auch heute, nach über 60 Jahren, noch originale Exemplare, die in den Foyers internationaler Bosch-Standorte die Besucher und Gäste mit freundlichem Blick wortlos begrüßen.

Einer von ihnen wird heute im Bosch Unternehmensarchiv aufbewahrt, so dass es ihn wohl auch nach weiteren 60 Jahren geben wird – als Zeitzeuge für ein interessantes Stück Werbegeschichte.

2 Responses

  1. Dax Robert

    Sehr geehrte Damen und Herrn,
    Ich habe mit großen Interesse Ihren Artikel über Otto-Karl gelesen.
    Als Sammler konnte ich so eine Figur erwerben, leider ist der Zustand nicht besonders, die Farben sind verblichen und abgelöst.
    Ich bin auf der suche nach Originalaufnahmen einer solchen Figur um die Restauration in den richtigen Farben durchzuführen.
    Vielleicht können Sie mir mit einer Aufnahme weiter helfen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Robert Dax

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