Titelbild: Luftaufnahme der verschneiten Teststrecke in Arjeplog (Nord-Schweden), um 1980

 

Robert Boschs Freund Fritz Egnell als Ausgangspunkt

Die Anfänge Boschs in Skandinavien liegen nun schon deutlich mehr als 100 Jahre zurück: Seit 1904 war Bosch von Schweden aus sofort in ganz Skandinavien vertreten, nämlich durch den – auch privat eng mit Robert Bosch befreundeten – Fritz Egnell. Für die seiner Firma übertragene Aufgabe, Bosch-Zündapparate aus Stuttgart in Schweden, Dänemark, Norwegen und darüber hinaus auch im benachbarten Finnland zu vertreiben, stellte er Untervertreter in den einzelnen Ländern ein. Vertrieben wurde nicht nur Bosch-Zubehör für das Automobil, sondern auch für die Motorschifffahrt, die „von besonderer Bedeutung für unser Geschäft in den Nordländern ist“, wie es 1921 die Firma Egnell berichtete. Ein großer Verkaufserfolg war wenige Jahre später auch die neu vorgestellte Fahrradbeleuchtung, das „Bosch-Radlicht“ mit Scheinwerfer und Dynamo.

Robert Bosch in einem Boot in Schweden, 1917

Robert Bosch in einem Boot in Schweden, 1917

Entstehung eigenständiger Vertretungen in den Ländern

Die 1911 unabhängig von der bisherigen Bosch-Vertretung gegründete finnische Handelsgesellschaft Oy Alftan Ab (bei der Gründung noch Ab Walfrid Alftan Oy) handelte zunächst mit Maschinen und Maschinenteilen, u.a. mit elektrischer Kraftfahrzeugausrüstung von Bosch. Dass sie ein waches Auge auf neue Produkte hatte, zeigt beispielsweise der Bosch-Kühlschrank, den es im Jahr seiner Einführung 1933 umgehend auch in Finnland zu kaufen gab. Zwei Jahre später wurde diese Gesellschaft denn auch offizieller Vertreter für Bosch-Produkte. Eigenständige Vertriebsgesellschaften für die skandinavischen Länder entstanden zwischen 1918 und 1921: für Dänemark die A/S Magneto, für Norwegen die A/S Automagnet und für Schweden die Aktiebolaget ROBO (der Name letzterer aus den Anfangsbuchstaben von Robert Bosch zusammengesetzt). Namentlich die Aktiebolaget ROBO verkaufte nicht nur verschiedenste Bosch-Produkte, sondern übernahm auch die Instandsetzung sowie den Einbau von Bosch-Erzeugnissen.

Aktiebolaget ROBO, Vertretung in Stockholm, Birgerjarlsgatan 25, 1924

Aktiebolaget ROBO, Vertretung in Stockholm, Birgerjarlsgatan 25, 1924

In ständiger Bewegung

Der Zweite Weltkrieg führte zu einem vorläufigen Ende der Zusammenarbeit – in Schweden war die Aktiebolaget ROBO dazu übergegangen, manche Bosch-Erzeugnisse (beispielsweise Kraftfahrzeugbeleuchtung und Bosch-Radlicht) selbst herzustellen. Nach dem Krieg wurden die Handelsbeziehungen wieder aufgebaut, in unzähligen kleinen Schritten veränderte und verstärkte sich die Bosch-Präsenz in den nordischen Ländern. So wurden mehrere Alleinverkäuferverträge abgeschlossen, zum Beispiel für den Vertrieb elektrischer Ausrüstung für Kraftfahrzeuge, Motoren, Fahrräder, Kühlschränke und sonstige Haushaltsgeräte. Gleichzeitig wurde ein Netz von Bosch-Diensten und Spezialwerkstätten aufgebaut, die Robert Bosch GmbH erwarb Aktien verschiedener nordeuropäischer Gesellschaften und, ganze Unternehmen oder spezielle Geschäftsbereiche wurden gekauft sowie teils mit eigenen Unternehmensteilen verschmolzen. Über die finnische Regionalgesellschaft wurde das Tor zum neuen Nordeuropa, zu den Ländern Estland, Lettland und Litauen, geöffnet.

Wintertests in Nordskandinavien

Über die üblichen geschäftlichen Aktivitäten hinaus ist Bosch in Nordeuropa noch in anderer Weise vertreten: Mit den ersten Wintertests von Bosch im Jahr 1971, begann eine bis heute andauernde Nutzung der polaren Bedingungen Nordschwedens für die Erprobung von Kraftfahrzeugtechnik. Nach den ersten Erprobungen verlegte Bosch 1973 die Tests auf einen im Winter zugefrorenen See nahe der Gemeinde Arjeplog, der bis dahin als Start- und Landepiste für Flugzeuge genutzt worden war. 2003 investierte Bosch rund 20 Millionen Euro in ein neues Wintertestzentrum auf der nahe Arjeplog gelegenen nordschwedischen Halbinsel Vaitoudden.

Wintererprobung in Schweden: Linienbus bei einer Vollbremsung mit ABS, 1985

Wintererprobung in Schweden: Linienbus bei einer Vollbremsung mit ABS, 1985

Bosch heute in Skandinavien

Eine der jüngsten Investitionen in Skandinavien erfolgte 2008: Bosch erwarb Hägglunds Drives in Mellansel (Schweden), einen Anbieter von hydraulischen Antriebssystemen, Motoren und Serviceleistungen. Im Mai 2016 begannen 50 Bosch-Experten im schwedischen Lund, dem ersten Entwicklungsstandort des Unternehmens in Skandinavien, vernetzte Lösungen zu entwickeln. Neue Soft- und Hardware entsteht dort beispielsweise für die Vernetzung von Fahrzeugen, für automatisierte Sicherheitssysteme und für motorisierte Zweiräder.

Heute sind rund 2640 Bosch-Mitarbeiter in den skandinavischen Ländern Dänemark, Schweden und Norwegen, sowie in Finnland beschäftigt. Während in Finnland (in Vantaa) und in Norwegen (in Ski) ausschließlich Produkte vertrieben werden, wird in Dänemark am Standort Sandved Verpackungstechnik gefertigt, in Schweden an den Standorten Mellansel, Stockholm und Tranås Produkte aus der Industrie- und Thermotechnik.

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