Bis etwa 1910 hatte sich Bosch auf allen fünf Kontinenten mit Handelspartnern verbündet, um für die Voraussetzungen für den Verkauf seiner Magnetzündungen überall dort zu haben, wo Menschen motorisierte Fahrzeuge kauften.

In den USA, Großbritannien und Frankreich war Bosch schon um 1900 präsent, da sich hier der Automobilismus am frühesten entwickelte.

Nach dem Ersten Weltkrieg folgte, wieder über Partnerunternehmen, der Einstieg in allen Ländern, in denen die Motorisierung jetzt an Dynamik gewann und es wichtig war, als Anbieter vor Ort zu sein. Zu den frühesten Beispielen dieser zweiten Internationalisierungswelle gehört Indonesien, oder, um genau zu sein, die Insel Java des heutigen Staates Indonesien, die damals Teil des von den Niederlanden besetzten „Niederländisch Ostindien“ war.

 

Die erste Präsenz

Am 1. Juli 1919 war es soweit. Willem van Rijn, Generalvertreter von Bosch in den Niederlanden, nahm Bosch Magnetzündungen für Automobile, Lastwagen und Motorräder in sein Verkaufsprogram auf und wurde exklusiver Vertreter von Bosch auf der Insel Java.

Van Rijn, war für Bosch ein „alter Bekannter“. Das Unternehmen war so alt wie Bosch, ebenfalls 1886 gegründet, und es unterhielt gute Kontakte nach Stuttgart. Schon seit 1903 vertrat van Rijn Bosch im Königreich Niederlande und war daher ein etablierter Partner.

In den 1920er Jahren konnten Automobilsten im heutigen Indonesien all das kaufen, was Bosch für komfortableres und sicheres Fahren im Alltag anbot, wie etwa elektrische Starter und Hörner. In den 1930er Jahren kam auch eine Vertretung für den Verkauf, Wartung und Reparatur von Dieseleinspritzpumpen hinzu, die Bosch Ende 1927 auf den Markt gebracht hatte.

 

Aber oft trennen sich die Wege von Partnern, und so übernahm zum 1. Mai 1956, mehr als 35 Jahre später, die N.V. Fitrah mit Sitz in der indonesischen Hauptstadt Jakarta die Geschäfte mit Bosch. Indonesien war inzwischen ein unabhängiger Staat, bestehend aus über 17.000 Inseln.

 

Allerdings setzte Bosch auf verschiedene Partnerunternehmen, um einerseits ein ausreichend großes Geschäft im prosperierenden Inselstaat ohne Abhängigkeit von einem Einzelunternehmen garantiert zu wissen, andererseits dieses Geschäft durch Wettbewerb zusätzlich zu stimulieren.

 

So vertraten ab 1961 auch die P.T. Diesel Electric Indonesia Ltd aus Djakarta und die Van Swaay International N.V., aus dem niederländischen Den Haag die Bosch-Bereiche Automobiltechnik, Hydraulikgeräte und Prüftechnik.

Mitarbeiter der Bosch-Vertretung in Soerbaia (heute Surabaya) mit Dieseleinspritzpumpe für Lastwagen, 1936

Mitarbeiter der Bosch-Vertretung in Soerbaia (heute Surabaya) mit Dieseleinspritzpumpe für Lastwagen, 1936

Nach Handel auch Fertigung mit Partnern

Zumeist hat Bosch in den Ländern, in denen das Unternehmen Verkaufsvertretungen einrichtete, auf lange Sicht auch mit der Fertigung begonnen, dann, wenn die Größe des Marktes es als aussichtsreich erscheinen ließ. So war es auch in Indonesien. Am 2. Februar 1973 unterschrieb die Robert Bosch GmbH einen Vertrag mit der Indonesian Motor Company mit Sitz in Jakarta. Gegenstand des Vertrages war ein Gemeinschaftsunternehmen, das Zündkerzen für Automobil- und Motorradmotoren herstellt.

Dies blieb zunächst die einzige Zusammenarbeit, bis rund 20 Jahre später auch Joint Ventures in anderen Sparten entstanden, etwa der Industrietechnik 1994 mit der Wijaya Kusuma Contractors, oder Akquisition wie der PT Rexroth Wijaya (1994), die nach der Übernahme ihres EIgentümers Rexroth durch Bosch 2001 zur heutigen PT Bosch Rexroth Indonesia wurde. Auch trat Bosch 1996 mit der Texmarco Perkasa Engineering in Verhandlungen über gemeinschaftliche Fertigung von Startern, Generatoren und Motormanagementsystemen.

Verpackung von Lebensmitteln in einer indonesischen Fabrik, mit Verpackungsanlagen von Bosch Packaging

Verpackung von Lebensmitteln in einer indonesischen Fabrik, mit Verpackungsanlagen von Bosch Packaging

Die eigene Gesellschaft

Doch erst rund 10 Jahre später machte Bosch den ersten Schritt in Richtung einer Regionalgesellschaft vor Ort. 2006 öffnete die Repräsentanz in Djakarta ihre Türen, die zu der südostasiatischen Regionalvertretung in Singapur gehörte.

Eine eigene Gesellschaft gründete Bosch im Mai 2008, die PT (Limited) Robert Bosch, mit Büros in Surabaya, Medan, Balikpapan, Semarang und Bali.

Ihr folgte der Aufbau einer Infrastruktur in Indonesien: Für die Schulung von Autowerkstattbesitzern gründete Bosch das Service Training Center Automotive in Jakarta 2010, für Automobilkunden mehrere Service Center in den Jahren bis 2013, in Jakarta, Bandung, Surabaya, Solo, Serang, South Tangerang and Banjarmasin, dazu 2012 eine Repräsentanz in Surabaya.

Im Folgejahr verkündete Bosch den Start einer eigenen Fertigung. Mit Wirkung vom 16. September 2013 wurde die PT Robert Bosch Automotive gegründet, deren Zweck die Herstellung und der Verkauf von Automobilkomponenten für Benzineinspritzsysteme, Fahrwerksysteme und elektrische Antriebe ist. Heute sind rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Bosch in Indonesien beschäftigt.

 

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