Der Einstieg von Bosch in die Fertigung komplexer elektronischer Systeme ab Mitte der 1960er Jahre war ein Risiko: Die Marktperspektiven waren kaum einschätzbar, Kunden aus der Autoindustrie waren unentschlossen, desaströse Erfahrungen von US-Autoelektronikherstellern machten wenig Mut.

Steuergerät der elektronischen Benzineinspritzung Jetronic von Bosch, aufgeklappt. Beide Platinen sind sichtbar. Objekt von 1967.

Steuergerät der elektronischen Benzineinspritzung Jetronic von Bosch, aufgeklappt. Beide Platinen sind sichtbar. Objekt von 1967.

Trotzdem hat Bosch, überzeugt von der langfristig richtigen Entscheidung, den Einstieg gewagt. Die ersten Forscher arbeiteten noch sehr improvisiert in umgebauten Ladenlokalen oder Wohnungen nahe der Stuttgarter Innenstadt. Sie erforschten die zunächst die Grundlagen für den Einsatz im Auto. Mit dem wachsenden Wissen um die nötigen technischen Voraussetzungen, um Elektronik in harten Bedingungen im Auto einzusetzen und für einwandfreies Funktionieren ein ganzes Autoleben lang auszulegen, baute Bosch personelle und Kapazitäten und Infrastruktur für die Produktentwicklung und Erprobung aus und tastete sich an einen reibungslose Fertigung in hohen Stückzahlen heran.

Test eines elektronischen Steuergerätes in einem Laboratorium des Technischen Zentrums Autoelektrik in Schwieberdingen nahe Stuttgart, 1970.b

Test eines elektronischen Steuergerätes in einem Laboratorium des Technischen Zentrums Autoelektrik in Schwieberdingen nahe Stuttgart, 1970.

Anfänglich ließen beängstigende Ausfallraten im Produktionsanlauf von bis zu 70 Prozent Zweifel an der Machbarkeit der Automobilelektronik aufkommen. Aber die Probleme konnten gelöst werden, auch wenn das Unternehmen dafür einen langen Atem brauchte.

Für heute bedeutet das: Bosch ist in der Elektronik führend, und wäre ohne den Mut, diesen Neueinstieg auch gegen Zweifel und Vorbehalte durchzusetzen, heute ein weitaus kleineres Unternehmen – oder ganz vom Markt verschwunden.

Seit 1970 fertigt Bosch Halbleiter in Reutlingen, rund 50 Kilometer südlich von Stuttgart und ist ein führender Anbieter von Halbleiterprodukten, Integrierte Schaltkreise ebenso wie mikromechanische Sensoren für die Nutzung in Automobilen wie auch in der Konsumelektronik – etwa Smartphones. Allein von diesen Sensoren fertigt Bosch in Reutlingen rund vier Millionen pro Tag.

Um im Zeitalter des Internet der Dinge mit zunehmener Vernetzung in Mobilität wie auch Industrie den zunehmenden Bedarf an Halbleitern zu bewältigen, baut Bosch eine zweite Halbleiterfabik in Dresden.

 

Mehr spannende Bosch-Geschichte finden Sie unter https://www.bosch.com/de/bosch-gruppe/unsere-geschichte/

Eine Antwort

  1. Gerald

    Als ich 1983 einem Kollegen der Reutlinger QSG mein Leid über die Bosch-Transistorzündung in meiner kleinen Moto Guzzi klagte, kam die Antwort: „Baujahr 1978? Ja, da haben wir uns überlegt, die Halbleiterei wieder aufzugeben.“

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