Zweckmäßig, schön und charaktervoll – mit diesen Eigenschaften kündigte die Werbung im Jahr 1933 das neue Produkt aus dem Hause Bosch an: den elektrischen Kühlschrank. Das auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellte Modell hob sich vor allem durch seine runde Trommelform von den Kühlschränken der Konkurrenz ab. Für die Anschaffung des neuen Haushaltshelfers sprachen viele Gründe.

Ganz so schnell, wie die zahlreichen Kühlschrankhersteller der späten 1920er und frühen 1930er Jahre es sich erhofft hatten, setzte sich das neue Gerät allerdings nicht durch. Nur die wenigsten Haushalte konnten sich damals die sehr kostspielige Anschaffung eines elektrischen Kühlschranks samt monatlicher Stromrate leisten. Hinzu kam oftmals auch ein genereller Vorbehalt gegenüber den „überflüssigen und ohnehin gefährlichen“ elektrischen Hausgeräten.

Der erste Bosch Kühlschrank, 1933

Der erste Bosch Kühlschrank, 1933

Vom Vorratskeller zur elektrischen Kühlung
Die ersten Haushaltskühlgeräte wurden um 1910 in den USA hergestellt und verkauften sich dort gut. So versuchten sich in den folgenden Jahren zahlreiche Unternehmen weltweit in der Kühlschrankfertigung. Auch Bosch entschloss sich 1929, einen eigenen elektrischen Kühlschrank auf den Markt zu bringen. Der Einstieg in den Hausgerätemarkt war Teil der Diversifizierungsstrategie, die das Unternehmen unabhängiger vom bisher einzigen Geschäftsbereich, der Kraftfahrzeugtechnik, machen sollte. Da der elektrische Kühlschrank in Europa und Deutschland jedoch noch weit vom Massenprodukt entfernt war und nach wie vor als unerschwingliches Luxusgut galt, stellte man sich bei Bosch die Aufgabe, ein Gerät für „den kleinen Mann“ zu bauen.

So entwickelten die Techniker einen kompakten Kühlschrank mit 60 Litern Fassungsvermögen, der auch in kleinen Küchen Platz finden sollte. Die runde Trommelform war im Vergleich zum eckigen Kasten produktionstechnisch günstiger herzustellen und ermöglichte eine energieeffizientere Anordnung des Kühlsystems. Dennoch erwies sich der mit 350 Reichsmark vergleichsweise preiswerte Kühlschrank für die meisten Haushalte noch als unbezahlbar.

Werbung für den Kühlschrank, 1935

Werbung für den Kühlschrank, 1935

„Entschließen Sie sich: Es lohnt sich!“
Dank seines auffälligen Äußeren erreichte der Bosch-Kühlschrank von 1933 einen hohen Bekanntheitsgrad, der durch umfangreiche Werbemaßnahmen weiter verstärkt wurde.

Eines der ersten Werbefaltblätter für den Bosch-Kühlschrank führte die Vorteile der elektrischen Kühlung auf: „Es war schon immer der Wunsch jeder modernen Hausfrau: durch vollautomatische Kühlung besser, also sparsamer wirtschaften zu können – Lebensmittel aller Art und Getränke lange Zeit frisch zu erhalten – zum Wohlbefinden der Familie und zur Gemütlichkeit im Hause noch mehr beizutragen – Gastfreundschaft und Geselligkeit ohne große Umstände und Kosten zu pflegen.“ Und das Fazit: „Fortschrittliche Lebenshaltung durch den sorgfältig durchgebildeten elektrischen Bosch-Kühlschrank!“

Die eckigen Nachfolgemodelle, 1935

Die eckigen Nachfolgemodelle, 1935

Aus rund wird eckig
Eine überaus erfolgreiche Produktentwicklung war damit angestoßen. Als sich abzeichnete, dass es sowohl über die Ästhetik als auch über die Zweckmäßigkeit des runden Modells geteilte Meinungen gab, reagierten die Produktplaner schnell. Die unmittelbaren Nachfolgegeräte aus den Jahren 1935 und 1936 erschienen im klassischen eckigen Schrankformat und wiesen mit 90 bzw. 120 Litern einen deutlich größeren Nutzraum auf. Die weiteren Modelle erfuhren fortlaufend technische Verbesserungen und wurden immer komfortabler ausgestattet – so bereits 1938/39 mit Innenbeleuchtung und höhenverstellbaren Gittereinsätzen. In den 1950er Jahren kam die Kühlschrankproduktion schließlich richtig in Schwung. Der Bosch-Kühlschrank wurde endgültig zum „guten Geist in jeder Küche“.

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