Wie eine Erfolgsgeschichte liest sich das nicht gerade: Eröffnung November 1886, Aufbau von zwei auf gerade einmal gut 15 Mitarbeiter bis 1891. Im selben Jahr Startkapital fast aufgebraucht, Bürgschaften von der Mutter, zusätzliche Bankkredite und 1892 am Rande der Insolvenz.

Robert Bosch im Alter von 25 Jahren, 1886

Robert Bosch im Alter von 25 Jahren, 1886

Keine Erfolgsgeschichte von Anfang an

Robert Bosch musste einiges aushalten in den ersten knapp zehn Jahren. Hätte er das nicht, gäbe es das Unternehmen Bosch heute nicht. Und er verlor den Mut offenbar nicht, überzeugt von seinem Optimismus, seinem Tatendrang, und der Gewissheit, es zu schaffen. Dabei war er kein Phantast. Als er 1900 den Entschluss fasste, eine erste Fabrik zu errichten, plante er eine Größe für etwa 200 Mitarbeiter. Zu dieser Zeit umfasste seine Belegschaft 30 Arbeiter, und er selbst trug sich mit dem Gedanken, einen Teil des neuen Gebäudes zu vermieten; alle Geschosse würde er mit seinen Leuten ohnehin nicht vollbekommen, das Unternehmen werde allenfalls auf 100 wachsen.

So sehr er vorausschauender Unternehmer war, hier hatte Bosch sich komplett vertan. Schon 1908 hätte er fünf Gebäude dieser Größe füllen können, das Unternehmen war auf mehr als 1.000 Mitarbeiter angewachsen.

Eines nach dem anderen

Dass es so kam, hatte mehrere Gründe. Robert Bosch war sicherlich voller Tatendrang, als er 1886 von seinen Auslandsaufenthalten in den USA und Großbritannien zurückkam. Erst musste die Firma gegründet sein, dann konnten seine Verlobte Anna Kayser und er heiraten. So war damals die Reihenfolge. Also stürzte er sich mit Elan in die Ausstattung der Werkstatt, suchte geeignete Räume, einen Mechaniker und einen Lehrling, und richtete die gefundenen Mieträume ein. Allerdings musste er noch vier Tage Zwangspause einrichten. Am 11.11.1886 hätte er öffnen können, aber die Genehmigung der örtlichen Behörden ließ bis 15.11. auf sich warten.

Erste Werkstatt von Robert Bosch, 1886

Erste Werkstatt von Robert Bosch, 1886

Neues kommt nicht immer an

Robert Bosch war 1884 als knapp 23jähriger mit einem Empfehlungsschreiben in die USA gereist – für einen jungen Europäer etwas ganz Ungewöhnliches. Von seiner Arbeit als Mechaniker bei den Firmen Edison und Bergmann hatte er viele Anregungen nach Europa mitgenommen. Die Elektrotechnik war dort weiter fortgeschritten als in Europa, elektrotechnische Anlagen wie Beleuchtung, Klingelanlagen, auch Telefonanlagen, waren dort stärker etabliert, und das erhoffte sich auch Robert Bosch als zukunftsträchtiges Geschäft. Obwohl er ausgebildeter Feinmechaniker war, seine Zukunft muss er damals schon in der Elektrotechnik gesehen haben.

Indes zog sich der Aufbau der Stromversorgung in Stuttgart, wo Bosch sich niedergelassen hatte, eine ganze Weile hin: Die Verhandlungen verantwortlicher Autoritäten führten erst 1895 zum Bau eines Elektrizitätswerkes. Bis dahin konnten nur elektrische Anlagen betreiben werden, wenn ein stationärer Verbrennungsmotor vorhanden war, der die elektrische Energie erzeugte. Somit konnte sich Boschs Elektrotechnikgeschäft auch bis 1895 nicht entwickeln, er musste sich von Auftrag zu Auftrag hangeln und das erledigen, was an Kundenaufträgen gerade hereinkam: Blitzableiter, Zigarrenspitzenschneider, Blindenschreibmaschinen, sowie sein kleines Geschäft mit der Instandhaltung elektromedizinischer Geräte. Erst mit der Inbetriebnahme des Stuttgarter Elektrizitätswerks kam beständiges Wachstum ins Unternehmen. Jetzt konnte sich jeder Haushalt und jede Firma eine Stromleitung zur permanenten Versorgung legen lassen – und damit auch elektrische Geräte betreiben. Aber ein riesiger Erfolg stellte sich dennoch nicht ein: die Kunden waren offenbar weniger offen für die elektrotechnischen Neuerungen, als Bosch sich es erhofft hatte.

Kostenschätzung für einen Kunden, 1896

Kostenschätzung für einen Kunden, 1896

Die Zündung macht das Rennen

Ohne ein anderes Produkt wäre Bosch weiter der Besitzer eines kleinen oder bestenfalls mittelständischen Betriebs geblieben: Der Magnetzünder. Das war eigentlich eine seit langem bekannte und etablierte Zündanalage für Standmotoren, die Bosch seit 1887 fertigte. Aber 1897 entwickelte sie Boschs Werkmeister Arnold Zähringer weiter, damit sie auf Kundenwunsch für ein Fahrzeug mit Benzinmotor eingesetzt werden konnte. Der entscheidende Schub, der Bosch in die Welt der Fabrikanten katapultierte, kam mit dieser Magnetzündung. Sie erwies sich nämlich damals als einzig zuverlässiges System für das Auto mit seiner beispiellosen Erfolgsgeschichte nach 1900 erwies. Bosch wurde mit ihr zum Weltkonzern.

Niederspannungs-Magnetzünder für Kraftfahrzeuge, 1897

Niederspannungs-Magnetzünder für Kraftfahrzeuge, 1897

Geschäftsfelder ändern sich, Verantwortung bleibt

Aber Robert Bosch war wachsam und vorausschauend, und der Idylle seiner scheinbar unverletzbaren Erfolgsgeschichte der Magnetzündung skeptisch gegenüber. Im Wissen um die Abhängigkeit von einem einzigen Produkt, das ihn zu einem der reichsten Männer Süddeutschlands gemacht hatte, tat er sich mit Handelshäusern in aller Welt zusammen. Das half vorerst, das Unternehmen wachsen zu lassen, und ebnete den Weg zu internationaler Bekanntheit von Bosch: Ab 1908 waren Bosch-Zündungen auf allen Kontinenten erhältlich waren. Langfristige Stabilität gelang allerdings erst mit weiteren Standbeinen in der Automobiltechnik wie in anderen Feldern, die es heute noch gibt: Elektrowerkzeuge, Hausgeräte, oder Industrietechnik.

Robert Bosch mit Mitarbeitern vor Erprobungsfahrzeug im Werk Stuttgart, 1924

Robert Bosch mit Mitarbeitern vor Erprobungsfahrzeug im Werk Stuttgart, 1926

Die Fähigkeit zur Veränderung, das Überleben des Unternehmens durch Entscheidungen wie den Einstieg in völlig neue Sparten, aber auch den Ausstieg aus defizitären Geschäften zu sichern, ist eines der Merkmale, die die Unternehmensgeschichte wie eine roten Faden durchziehen, und die auch heute für Bosch wichtig sind. Ein wesentliches Motiv für die Agilität des Gründers und seiner Nachfolger bis heute war und ist in entscheidendem Maße die Verantwortung für die Mitarbeiter, nicht die Profitabilität als Selbstzweck. Nur der Veränderungswille in den wechselnden wirtschaftlichen Bedingungen kann ein Unternehmen und seine Belegschaft in der Gesamtheit erhalten. Robert Bosch formulierte das so: „Wenn meine Magnetzündung eine Eintagsfliege ist, womit beschäftige ich meine Leute dann?“

Mehr über Robert Bosch finden Sie hier.

 

 

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